Johann Sternig aus Matschiedl - Kärntner Haflingerzüchter des Jahres 2025

Von der Stammstute zur Landessiegerin durch konsequente Zuchtarbeit und Zusammenhalt

Die Gemeinde St. Stefan im Gailtal ist seit jeher eine der historischen Hochburgen der Kärntner Pferdezucht. Generationen von Züchtern haben mit ihren Pferden Erfolge gefeiert, die weit über Kärnten hinausreichen und bis heute prägen Pferde das Leben, die Landwirtschaft und die Traditionen im unteren Gailtal. Dass ein Pferd das Gemeindewappen ziert, ist Ausdruck dieser besonderen Verbindung. Hoch über dem Tal, sonnseitig auf etwa 900 Metern Seehöhe, liegt die kleine Ortschaft Matschiedl. Dort ist auch die Familie Sternig (vulgo Mlintsch) zu Hause – die Kärntner Haflingerzüchter des Jahres 2025.
Manchmal beginnt eine Erfolgsgeschichte mit einem Kindheitstraum und dem dazugehörigen Mut – so auch beim „Mlintsch“ in Matschiedl. Tochter Melanie wünschte sich nichts sehnlicher als ein Reitpferd. Dieser Traum wurde im Jahr 2002 schließlich Realität, als ihr Vater Hans die damals zweijährige Haflingerstute „Montana“, eine Stolz-Tochter aus der Zucht von Johann Haberle, kaufte. Doch der Weg zum eigenen Pferd verlief alles andere als geradlinig. Am Hof war damals weder ein Pferdestall vorhanden noch die Zustimmung von Hans‘ Frau, im Gegenteil: „Ein Pferd hätte mir damals fast die Ehe gekostet“, erzählt er heute schmunzelnd. Unter dem Vorwand, eine Gerätehalle zu errichten, entstand heimlich ein Pferdestall, während „Montana“ den Sommer zweijährig noch auf der Alm verbringen durfte und über den folgenden Winter bei einem guten Freund eingestellt war.
Erst als dann nach rund einem Jahr alles bereit war – der Stall fertig, das Pferd vorhanden und der Wille ungebrochen, kam es zur Einigung und Montana durfte schließlich doch nach Matschiedl ziehen und fand beim „Mlintsch“ ihr neues zu Hause. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, welche Bedeutung sie für die Familie bekommen würde.

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Kurze Zeit später stand für „Montana“ bereits die Stutbuchaufnahme im Jahr 2003 an. Diese wurde damals zwar schon zentral organisiert, jedoch noch an drei verschiedenen Terminen und Standorten in ganz Kärnten durchgeführt. Die Familie entschied sich für die Vorstellung in Villach. Dieser Termin ist ihnen bis heute in Erinnerung geblieben, nicht zuletzt wegen des strömenden Regens an diesem Tag. Kurzerhand wurde die Veranstaltung in den Reitstall Warmbad verlegt, wo durch die vorhandene Reithalle bessere Bedingungen herrschten. Trotz der ungewohnten Situation präsentierte Melanie „ihre“ Stute im Alter von nur dreizehn Jahren bereits selbst. Da es für alle Beteiligten das erste Mal war, ging man ohne große Erwartungen und mit nur wenig Vorbereitung an den Start.

Die mit 143 cm Stockmaß gemessene Stute wurde schließlich mit 74 Punkten und der Zuchtwertklasse 2b+ ins Stutbuch aufgenommen. Noch im selben Jahr wurde „Montana“ von Christoph Haberle eingeritten. In den darauffolgenden Jahren verbrachte Melanie viel Zeit mit ihr im Sattel und sammelte wertvolle Erfahrungen. Auch Hans entwickelte seine Leidenschaft weiter und ließ sich im Kutschenfahren ausbilden, wodurch die Stute zusätzlich regelmäßig vor dem Wagen eingesetzt wurde.
Bald schon sollte der Einstieg in das Zuchtgeschehen erfolgen. Im Jahr 2006 brachte „Montana“ das erste Haflingerfohlen beim „Mlintsch“ zur Welt – ein Hengstfohlen nach Majus. In den folgenden zwölf Jahren brachte „Montana“ insgesamt sieben Fohlen zur Welt – drei Hengst- und vier Stutfohlen. Ihre Mutter „Minka“ wurde vom Nachbar Rudi Bacher angekauft und später weiter in der Zucht eingesetzt. Sie legte also nicht nur den Grundstein für die Zucht bzw. Stutenfamilie der Familie Sternig, sondern auch für die der Familie Bacher. Der Großteil der Haflingerpferde in ganz Matschiedl (alle mit „M“ beginnenden Stuten) gehen somit auf diese Stammstute zurück. In ihrem gewohnten Umfeld durfte „Montana“ das stolze Alter von 24 Jahren erreichen, ehe sie dann leider plötzlich an den Folgen einer Kolik verendet ist. Ihre Mutter „Minka“ wurde mittlerweile in einen Nachbarort verkauft, erfreut sich aber dem Alter entsprechend (31 Jahre) noch immer an Gesundheit.

Montana mit Madonna

Zwei Nachkommen von „Montana“ sind heute noch am Hof der Familie Sternig: ihr letztes Fohlen „Meggy“ nach Blickfang (geboren 2018) und die 2009 geborene „Madonna“ nach PrH. Arsenal. Diese wurde im Jahr 2012 mit 7,77 Punkten/ Bewertungsklasse 2a in das Stutbuch eingetragen und durfte somit an der Kärntner Landesjungstutenschau teilnehmen. An den Leinen von Thomas Striedner und unter dem Sattel von Victoria Wiedenig (Reiterhof Wulfenia – Marina Kalt) konnte „Madonna“ ihre Leistungsbereitschaft bei der 21. Kärntner Leistungsprüfung am Reiterhof Golz in Weißbriach unter Beweis stellen und die Reservesiegerschärpe mit der beachtlichen Wertnote von 8,59 mit nach Hause nehmen. Im darauffolgenden Jahr gebar sie ihr erstes Fohlen und erfüllte damit alle Voraussetzungen, um als Verbandsprämienstute ausgezeichnet zu werden. Bis heute hat sie bereits sechs gesunde Nachkommen auf die Welt gebracht (jeweils drei Stut- bzw. Hengstfohlen).

Bei den Anpaarungen vertraut Johann Sternig auf die Haflingerhengste, die in der näheren Umgebung aufgestellt werden bzw. wurden (darunter beispielsweise Blickfang, Arsenal, Winnie, Stallion, Walescano, uvm.) und auch Nachkommen, die verkauft werden, finden oft nicht weit entfernt ihr neues zu Hause.
Das Hans mit seinem züchterischen Gespür richtig liegt, zeigt sich an einem besonderen Fohlen, das 2022 am Hof das Licht der Welt erblickte und bereits in zweiter Generation aus eigener Zucht stammt. „Mira“, eine Tochter des Walescano aus der Verbandsprämienstute „Madonna“, brachte ihrem Züchter bislang die größten Erfolge. Doch nicht nur das: Es zeigt sich auch, dass durch konsequente Zuchtarbeit und gezielte Anpaarungen ein deutlicher Fortschritt möglich ist – von der Zuchtwertklasse 2b+ über 2a bis hin zu 1b (auch wenn diese Einstufungen bei der Rasse Haflinger heute nicht mehr offiziell geführt werden).

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„Mira“ qualifiziert sich bei der Stutbuchaufnahme 2025 für das Finale – die Landesjungstutenschau - und kann diese mit 8,05 Punkten für sich entscheiden und wird somit Landessiegerin 2025. Sie überzeugt mit viel Chic und Charme, einer aufgerichteten und modernen Erscheinung, einem harmonischen Seitenaufriss und sehr guter Bewegungsmechanik im Trab. Zudem weist die 147cm gemessene Lichtfuchsstute eine sehr korrekte Stellung der Gliedmaßen im Stand als auch in der Bewegung vor.

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Im August desselben Jahres soll bereits ihr nächster Auftritt bei der Reitpferdeprüfung am Reiterhof Wakonig (Maria Rain) erfolgen. Unter dem Sattel ihrer Ausbildnerin Janine Silvia Grafenauer kann sich die moderne und mit viel Reitpferdepoints ausgestattete Jungstute den Reservesieg bei den dreijährigen Haflinger Reitpferden und somit die nächste Schärpe ergattern. Sie präsentierte sich an diesem Tag sehr ausgeglichen und kann vor allem mit ihrer sehr guten, ausbalancierten und bergaufgerichteten Galoppade überzeugen. Durch die harmonische und konzentrierte Vorstellung (Gesamteindruck 9,0!) kann die hervorragende Wertnote von 8,5 erreicht werden.

Mira Bundesschau_1

Im Herbst 2025 stehen für „Mira“ noch zwei weitere große Auftritte an: Die Bundesjungstutenschau in Stadl-Paura, wo sie den Gruppenreservesieg (Dreijährige – Gruppe 4) und die begehrte Schauklasse 1a erreichen kann. Und die Kärntner Leistungsprüfung am Reiterhof Golz, die „Mira“ in einem qualitativ sehr dichten Jahrgang als dreijährige Jungstute mit der sehr guten Wertnote von 8,35 (Reiterin: Janine Silvia Grafenauer/Fahrer: Manuel Bacher) mehr als nur positiv absolvieren kann. Damit hat „Mira“ zwei große Hürden für die Auszeichnung zur „Staatsprämienstute“ bereits erfolgreich gemeistert – für das Jahr 2026 ist ihre erste Belegung geplant. Johann Sternig wird dafür auf einen Verbandsdeckhengst des LPZV Kärntens zurückgreifen.

Johann Sternig hat in seinem Stall auch noch vielversprechenden Nachwuchs stehen, der in den nächsten Jahren präsentiert werden wird. Fragt man ihn, so sagt er, es befinden sich derzeit „siebeneinhalb Pferde“ in seinem Besitz – eine Stute hält er gemeinsam mit seinem Nachbar und langjährigen Freund Rudi Bacher. Generell wird in dem kleinen Ort Matschiedl der Zusammenhalt großgeschrieben. Die Familien Sternig und Bacher unterstützen sich in jeglichen Belangen hinsichtlich der Haflingerzucht gegenseitig und können aufeinander zählen. Dabei darf das Lustige und Gesellige keinesfalls zu kurz kommen – zu allen Anlässen wird gemeinsam gefeiert und sich füreinander gefreut.

Die größten Erfolge und Schärpen

VPr Madonna (Montana x Arsenal)

  • Reservesieg der 21. Kärntner Leistungsprüfung

Mira (VPr Madonna x Walescano)

  • Landessiegerin der Stutbuchaufnahme 2025
  • 1. Landesreservesiegerin Reitpferdeprüfung Haflinger dreijährig 2025 – WN 8,5
  • 1. Gruppenreservesiegerin (Dreijährige - Gruppe 4) der Haflinger Bundesjungstutenschau 2025 in Stadl Paura – Schauklasse 1a

Die Kärntner Pferdezüchter und der Haflinger Zuchtausschuss gratulieren der Familie Sternig ganz herzlich zum Titel „Haflingerzüchter des Jahres 2025“ und wünschen für die weitere Zukunft und Zuchtkarriere alles Gute, viel Gesundheit und Erfolg.

Bericht: Lukas Hartlieb für den LPZV Kärnten

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